
Mittelmeerkrankheiten & Parasitenbefall
Wenn Hunde aus dem Ausland auf Reisen gehen besteht das Risiko, dass sie sich mit Krankheiten infiziert haben. Viele dieser Erkrankungen treten insbesondere im Mittelmeerraum, aber zunehmend auch in Deutschland und anderen mittel- und südosteuropäischen Ländern auf. Wir geben dir einen Überblick über die wichtigsten Erkrankungen, deren Übertragung, Symptome und Behandlung.
Unsere Hunde werden vor der Ausreise mittels Schnelltests auf Ehrlichiose, Babesiose, Dirofilariose, Anaplasmose und Borreliose getestet.
Bitte beachte: Ein negativer Test ist keine vollständige Garantie dafür, dass keine Infektion vorliegt. In seltenen Fällen kann sich ein Hund kurz vor der Ausreise infizieren oder sich eine Erkrankung erst später nachweisen lassen. Daher empfehlen wir, den Test nach etwa 3–6 Monaten in Deutschland zu wiederholen.
Tiere, die vor der Ausreise bereits Symptome zeigen, werden zunächst vor Ort behandelt. In Einzelfällen kann – in Absprache – auch eine Ausreise zur weiteren Behandlung in Deutschland erfolgen.
Wichtig ist uns: Diese Informationen dienen der Aufklärung, nicht der Verunsicherung. Die meisten dieser Erkrankungen sind gut erkennbar und behandelbar. Insgesamt treten sie eher selten auf. Bei Fragen oder Unsicherheiten wende dich bitte immer an deinen Tierarzt oder sprich uns direkt an.
Babesiose (Hunde-Malaria)
- Erreger: Babesia canis, Babesia vogeli, Babesia annae – Einzeller, die rote Blutkörperchen zerstören.
- Übertragung: Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und Braune Hundezecke.
- Symptome: Hohes Fieber, dunkler Urin, Gelbsucht, neurologische Ausfälle, häufig tödlich ohne Behandlung.
- Verbreitung: In ganz Europa, inklusive Deutschland.
- Heilbar?: Bei rechtzeitiger Behandlung.
- Therapie: Antiparasitika, je nach Erregerstamm spezielle Behandlungsprotokolle.
Ehrlichiose
- Erreger: Ehrlichia canis – ein Bakterium aus der Gruppe der Rickettsien.
- Übertragung: Durch den Stich der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).
- Symptome: Nasenbluten, Petechien (punktförmige Blutungen), Fieber, Schwäche, Appetitlosigkeit, im chronischen Verlauf Niereninsuffizienz.
- Verbreitung: Mittelmeerraum, zunehmend auch in Mitteleuropa in Innenräumen.
- Heilbar?: Bei rechtzeitiger Behandlung.
- Therapie: Antibiotika, Immunmodulatoren, symptomatische Behandlung.
Anaolasmose
- Erreger: Anaplasma phagocytophilum, ein Bakterium, ähnlich der Ehrlichiose.
- Übertragung: Durch den Holzbock (Ixodes ricinus).
- Symptome: Fieber, Lethargie, Durchfall, Lahmheit, neurologische Symptome.
- Verbreitung: Ganz Mitteleuropa inkl. Deutschland.
- Heilbar?: Ja
- Therapie: Antibiotika über kurzen Zeitraum.
Hepatozoonose
- Erreger: Hepatozoon canis, ein Kokzidien-Parasit.
- Übertragung: Verschlucken infizierter Zecken, transplacentär oder durch Fuchsaas.
- Symptome: Zyklisches Fieber, Durchfall, Abmagerung, neurologische Störungen, aggressives Verhalten.
- Verbreitung: Ursprünglich Afrika, heute auch in Deutschland (z. B. Thüringen, Lüneburger Heide).
- Heilbar?: Meist nicht.
- Therapie: Keine Erregerelimination möglich, symptomatische Behandlung.
Filarien (z. B. Herzwurm, Hautwurm)
- Erreger: Dirofilaria immitis (Herzwurm), Dirofilaria repens (Hautwurm).
- Übertragung: Durch Stechmücken, Zecken, Flöhe, Läuse.
- Symptome: Husten, Schwäche, Atemnot, Hautveränderungen – je nach Wurmart auch symptomlos.
- Verbreitung: Südeuropa, Osteuropa, Schweiz, Niederlande, Süddeutschland.
- Heilbar?: Ja, aber kostenintensiv
- Therapie: Verschiedene Protokolle je nach Filarienart, regelmäßige Blutkontrollen erforderlich.
Leishmaniose
- Erreger: Leishmania infantum, ein einzelliger Parasit (Protozoon), der sich in weißen Blutkörperchen vermehrt.
- Übertragung: Durch den Stich der weiblichen Sandmücke (Phlebotomus spp.).
- Symptome: Gewichtsverlust, Schwäche, Hautprobleme, vermehrter Krallenwuchs, geschwollene Lymphknoten und Milzvergrößerung.
- Verbreitung: Mittelmeerraum, Portugal, aber auch bereits in Teilen Deutschlands (Rumänien auch, aber selten).
- Heilbar?: Nein
- Therapie: Nicht heilbar, aber behandelbar mit Leishmanistatika, Leishmaniziden und Immunmodulatoren.
Thelaziose (Orientalischer Augenwurm)
- Erreger: Thelazia spp.
- Übertragung: Durch die Fruchtfliege Phortica variegata – durch Aufnahme von Augensekret.
- Symptome: Tränende Augen, Bindehaut- und Hornhautentzündung, bakterielle Sekundärinfektionen.
- Verbreitung: Ursprünglich aus Asien, heute auch in Deutschland (z. B. Berlin), Frankreich, Italien, Schweiz.
- Heilbar?: Ja
- Therapie: Wurmmittel aus der Gruppe der makrozyklischen Laktone.
Rickettsiose (Zeckenbissfieber)
- Erreger: Rickettsia conorii (Mittelmeer-Zeckenfleckfieber), Rickettsia rickettsii und andere – allesamt Bakterien aus der Familie der Rickettsien.
- Übertragung: Durch den Stich infizierter Zecken, insbesondere der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).
- Symptome: Fieber, Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten, Gelenkschmerzen, Mattigkeit. In schweren Fällen kann es zu neurologischen Ausfällen kommen. Beim Menschen sind Rickettsiosen mit grippeähnlichen Symptomen und Hautveränderungen bekannt.
- Verbreitung: Vor allem im Mittelmeerraum, jedoch inzwischen auch in Mittel- und Osteuropa nachgewiesen.
- Heilbar?: Ja
- Therapie: Antibiotika wie Doxycyclin sind wirksam.
Zusammenfassung – was du tun kannst
Um deinen Hund bestmöglich zu schützen und frühzeitig reagieren zu können, empfehlen wir:
- Eine Blutuntersuchung (Mittelmeer-Screening) einige Monate nach der Einreise, um mögliche Infektionen sicher auszuschließen
- Bei Auffälligkeiten: Rücksprache mit uns und einem erfahrenen Tierarzt, da nicht jede Diagnose automatisch eine Behandlung erfordert
- Die regelmäßige Anwendung von Zecken- und Mückenschutz (z. B. Spot-on oder Halsband)
- Deinen Hund nach Spaziergängen auf Zecken zu kontrollieren
- Bei ungewöhnlichen Krankheitssymptomen – insbesondere nach Aufenthalten im Ausland – auch an mögliche Reisekrankheiten zu denken
- Vor Reisen ins Ausland eine tierärztliche Beratung, ggf. inklusive Impfungen oder Prophylaxe
Diese Maßnahmen helfen dabei, mögliche Erkrankungen früh zu erkennen und deinen Hund langfristig gesund zu begleiten.
Deine Fragen – unsere Antworten
Hier findest du häufig gestellte Fragen und unsere Antworten. Nicht fündig geworden? Dann kontaktiere uns unter herzenshunde.vermittlung@gmail.com – wir helfen dir gerne weiter!
